Angus Deaton war ein prägender Prof meines Doktorandenstudiums

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Statement von Christoph M. Schmidt anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften an seinen ehemaligen Promotionsbetreuer Angus Deaton

„Angus Deaton war einer der beiden prägenden Professoren meines Doktorandenstudiums und einer meiner Ökonometrielehrer an der Princeton University. Besonders beeindruckend an seiner Arbeit ist sein kompromissloses Streben nach akademischer Exzellenz. Es geht bei ihm nicht um die Eleganz der Methode oder die Ästhetik der Formulierung. Stattdessen steht für Angus Deaton im Vordergrund, ob die vorgelegte Analyse tatsächlich dazu beiträgt, die menschliche Erkenntnis zu erweitern. Ich habe von ihm gelernt, dass akademische Exzellenz heißt, komplexe Dinge einfach darzustellen, nicht umgekehrt. Als Persönlichkeit besticht Angus Deaton trotz aller intellektuellen Aura mit seiner Bodenständigkeit und seinem Sinn für Humor.

Seine Anwendungsgebiete, etwa die Frage nach der Bekämpfung von Armut in Entwicklungsländern oder die ganzheitliche Wohlfahrtsberichterstattung, weisen eine hohe gesellschaftliche Relevanz auf. Er hat jedoch nie einen Zweifel daran gelassen, dass vor der konkreten wirtschaftspolitischen Handlungsempfehlung, so dringend sie auch gebraucht werden mag, immer eine rigorose Analyse stehen muss, die ökonomische Theorie und angewandte Ökonometrie verbindet. Und für diese empirische Durchdringung der Realität wird häufig der Zugang zu Individualdaten, beispielsweise einzelnen Haushalten, benötigt. Deren ökonometrische Analyse erfordert wiederum eigene Methoden. Und wenn diese nicht vorhanden sind, dann muss die Forschung genau dort ansetzen und die Sachfrage mit einem innovativen Studiendesign lösen.

Dieser wissenschaftliche Anspruch prägt seitdem auch meine Arbeit – am RWI beispielsweise verdeutlichen wir dies durch den Claim „Research with Impact“. Der Zusatz „with impact“ ist in dreifachem Sinn zu verstehen: Erstens besitzen die Arbeiten des RWI aufgrund ihrer praktischen Relevanz hohes politisches Wirkungspotenzial, haben also einen hohen „policy impact“. Zweitens genügt seine Forschung höchsten Standards und wird regelmäßig in sehr guten Journals (mit hohem „impact factor“) veröffentlicht. Drittens ist die empirische Wirkungsanalyse – die „impact evaluation” – eine bereichsübergreifende Kernkompetenz des Instituts und daher oft die zentrale Herausforderung in Forschungs- und Beratungsprojekten des RWI.“

Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, geb. 1962, studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim (Diplom-Volkswirt 1987), wurde an der Princeton University promoviert (MA 1989, Ph.D. 1991). Betreut wurde er u.a. von David Card („Doktorvater“) und Angus Deaton. 1995 habilitierte er sich an der Universität München. Seit 2002 ist er Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Zum März 2009 wurde Christoph M. Schmidt in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen, seit März 2013 ist er dessen Vorsitzender.

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