Bücher zu Geschirrspülern – Rezensionen

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E-Books: Immer weniger Rezensionen

Immer mehr Bücher erscheinen ausschließlich als E-Books. Doch die Autoren beklagen eine immer seltener werdende Bewertung durch Leser. Doch ohne Bewertungen gerät auch ein guter E-Book-Autor in Vergessenheit.

„Früher konnten wir uns fast täglich über neue Bewertungen freuen, jetzt behalten die Leser ihre Meinungen anscheinend lieber für sich“, sagt zum Beispiel die Buchautorin Kira Gembri auf facebook. Ein aktuelles Beispiel kommt vom Bielefelder Krimiautor Achim Zygar. Gut zweitausend E-Books hat er von „Tod einer Wahrsagerin“ verkauft. Doch bislang sind lediglich zwei Rezensionen bei Amazon erschienen. Herr Zygar vermutet, dass das Besondere des E-Book-Lesens weggefallen sei, da es nichts Neues mehr ist: „Ein Grund, warum sich Leser mit Bewertungen zurückhalten, ist sicherlich, dass das Lesen von E-Books nichts Besonderes mehr ist“, sagt Zygar.

Diese Vermutung ist nicht stimmig, denn sonst würden Printerzeugnisse in Buchform auch nicht bewertet. Tatsächlich haben Untersuchungen ergeben, dass E-Book-Leser schlicht nach der Lektüre von mehr als zwei E-Books die Inhalte dem entsprechenden Buchtitel und Autor nicht mehr zuordnen können. Oft haben sie sogar Probleme, den Titel mit dem Autor in Verbindung zu bringen. Dem Leser fehlen durch Haptik, Coverlayout, Umfang und Größe des Buches Anhaltspunkte, um diese kognitive Leistung zu erbringen.

Ein weiterer Punkt ist, dass sich E-Book-Leser von echten Leseratten sehr stark unterscheiden. E-Book-Leser konsumieren Text. Ist das Buch zu Ende, nehmen sie sich das nächste vor. Für sie ist der Text kein anderer Text, als der Text auf einer Internetseite. Sie nehmen vermutlich nicht einmal die intellektuelle Leistung des vor ihnen befindlichen Textes wahr. Für sie ist die Zeit des Lesens eine Brücke zwischen zwei Zeiten, zu denen etwas Wichtiges geschieht.

Leseratten gehen in eine Buchhandlung, stöbern, lesen hier den Klappentext, nehmen dort eine Leseprobe, erleben die Haptik und die gesamte Atmosphäre – und entscheiden sich dann für ein Kulturgut. Dieses Kulturgut lesen sie Satz für Satz, unterbrechen, denken drüber nach, reflektieren – und lassen sich durch ihre Phantasie durch die Geschichte tragen. Leseratten lesen um des Lesens willen.

„Viele glauben auch, nicht die Zeit für Rezensionen zu haben“, meint Zygar. Doch muss eine Buchbewertung mit viel Aufwand verbunden sein? „Nein, überhaupt nicht“, sagt der Krimiautor. „Und das Schöne ist, jeder kann es. Dafür braucht man keine besonderen Fähigkeiten. Wer eine Geschirrspülmaschine bewerten kann, kann auch Rezensionen schreiben“, sagt Achim Zygar und bringt ein Beispiel: „Das ist wirklich ein super Gerät. Es ist einfach zu bedienen, das Geschirr wird blitzblank. Ich kann einen Kauf nur empfehlen.“

Solch eine „Bewertung“ ist für einen potenziellen Käufer, der einen Geschirrspüler benötigt, so hilfreich, wie eine Blase am Fuß, wenn man den Jakobsweg beschreiten will. Sie sagt nichts aus und unterstützt in keiner Weise eine Kaufentscheidung. Aber: Solche Bewertungen werden zu Tausenden jeden Tag abgegeben. Man fragt sich nur, was dieser Kokolores soll, zumal der geneigte Leser in keiner Weise feststellen kann, worauf sich diese sogenannte „Bewertung“ bezieht. Wie definiert hier der Bewerter „Super Gerät“? Was versteht er unter „leichter Bedienung“? Technikaffine Menschen können sogar Videorekorder programmieren und bekommen IKEA-Regale zusammengebaut. Und wenn der geneigte Anwender nur Brot ist, dann wird jedes Geschirr auch beim ausschließlichen Abspülen „blitzblank“.

„In diesem Stil kann auch eine Rezension abgefasst werden“, meint Zygar. „Folgende drei Sätze reichen also: „Dieses Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ich fand es äußerst unterhaltsam und auch spannend geschrieben. Ich werde es meinen Bekannten auf jeden Fall weiterempfehlen“, schlägt der Autor ernsthaft vor. Auch diese „Bewertung“ sagt nichts aus, noch hat sie etwas mit einer Rezension zu tun. Was, bitte schön, ist ein „gut geschriebenes Buch“? Woran kann festgemacht werden, was dem Bewerter „gefällt“? Muss das zwingend das sein, was mir auch gefällt? Welche Art von Bekannten hat dieser Mensch? Sind das eher Harry-Potter-Fans oder Nord-Krimi-Leser?

„Der Zeitaufwand ist minimal“, so Zygar. „Werden noch vier oder fünf Sterne vergeben, dann ist das eine tolle Unterstützung für jeden Autor, gerade auch für Newcomer, die keinen werbestarken Verlag im Rücken haben.“ Soso, meint das PHT.

Eine Rezension ist etwas anderes, nämlich eine Buchbesprechung. Dabei wird der Inhalt des Buches ohne das Finale, grob zusammengefasst, dann zu dem Text Stellung genommen, um sich anschließend auf Schreibstil, Kompaktheit, Stimmigkeit des Inhaltes etc. zu beziehen. Anschließend wird alles in einer Kritik zusammengefasst. Und nein, das kann nicht jeder. Rezensionen zu schreiben ist eine Kunst und harte Arbeit, genauso wie einen Roman zu schreiben. Es gilt, ganz bestimmte Kriterien zu bewerten.  Beispielsweise kann eine Rezension so aussehen: http://www.hammaburger-wissenschaft.de/punker-rumsfeld-gemeinsam/. Würde für dieses Buch: „Dieses Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ich fand es äußerst unterhaltsam und auch spannend geschrieben. Ich werde es meinen Bekannten auf jeden Fall weiterempfehlen“ reichen? Nein, es reicht nicht, dass der Name in den Medien zu finden ist. 

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