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Jun 08

Rot-Grün verhindern umweltfreundliche Beförderung in Hamburg

Seit geraumer Zeit fahren Sammeltaxen von Moia durch Hamburgs schöne verstopfte Straßen – und das ziemlich erfolgreich. Ihr Erfolg passt natürlich der völlig überteuerten Taxilobby nicht, aber auch der HVV (ÖPNV Hamburg), sieht seine Felle davonschwimmen. Also flux zum Senat gelaufen – und offene Türen eingerannt. Denn zwischenzeitlich gefallen diese Erfolge weder den Fraktionen der Grünen noch der SPD.

Die einen, die völlig verbohrt im ÖPNV die einzige Alternative zur zukünftigen Mobilität sehen, schon lange nicht mehr in der Lage, aus ihrem Tunnelblick auszuscheren. Die anderen, die um die Wettbewerbsfähigkeit der armen Taxilobby fürchten und sich nicht den Unmut einer machtvollen Branche zuziehen möchte. Hängt von ihr doch die halbe Personenverkehrsbranche, wie Flughafen, ÖPNV und Bahn ab.

Deshalb brachten die Fraktionen von Grün und SPD eine schärfere Regulierung ins Gespräch. Moia und ähnliche Dienste sollen zukünftig unter das Personenbeförderungsgesetz fallen. Auf ähnliche Weise wurde schon Uber platt gemacht; durch üble Nachrede, Findlinge, die ihnen in den Weg gelegt wurden und vieles mehr.

der ÖPNV geht sogar soweit, Moia in sein System integrieren zu wollen. Frei nach dem Motto; den Feind der nicht zu besiegen ist, mache dir zum Freund.

DENN ES DARF KEINE DIENSTE NEBEN DEN DIENSTEN ÖPNV UND TAXI IN HAMBURG GEBEN!

Nein, soweit kommt das noch.

Doch was ist dran, an den Bedenken? Könnte Moia tatsächlich eine Konkurrenz für ÖPNV und Taxis werden? Nein, nein und noch einmal nein – denn sie sind es schon.

Der ÖPNV wird jährlich mit Millionen vom Senat gesponsert und ist dennoch dreckig, unpünktlich, verkehrsunsicher, unfallträchtig und die Busfahrer sind häufig alkoholisiert, unhöflich und verursachen laufend Unfälle – ich hatte das Vergnügen an dreien beteiligt zu sein, wobei der Busfahrer am ersten keine Schuld hatte, am zweiten regelrecht vorsätzlich handelte und beim dritten sogar Unfallflucht beging. Auf jeden Fall ist er zu teuer, insbesondere wenn man bedenkt, wie lange eine Fahrt dauert, bis man endlich am Ziel ist. Wenn sie denn ihren Weg finden und nicht durch die Straßen irren, um dann in einem Wohnhaus zu landen.

Faszinierend dabei ist; obwohl die Ampelschaltungen extrem Fahrradfahrerunfreundlich und –verkehrsgefährdend sind, obwohl, seit Olaf Scholz Hamburg zur Fahrradstadt ausgerufen hat, die Baubehörde scheinbar vorsätzlich alle Fahrradanfahrten möglichst bergauf baut, obwohl die Streckenführungen für Radfahrer zwischenzeitlich ein einziges Straßenverkehrsdurcheinander und lebensgefährlich sind, bin ich mit dem Rad oft immer noch schneller, als mit Bus und Bahn. Aufheben tut sich die Zeitdifferenz erst ab rund 25 km. Das heißt, wenn ich 25 Kilometer durch die Stadt muss, dann ist der ÖPNV schneller.

Ein Beispiel: Mit dem Schnellbus von Hamburg aus meinem Stadtteil glatt durch in die Innenstadt zum Rathaus: Gang zur Haltestelle 4 Minuten, Busfahrt 12 Kilometer 36 Minuten, Gang zum Zielpunkt Rathaus, 6 Minuten. Gesamt 46 Minuten.

Fahrrad: Fahrrad aus dem Keller und alles aufgepackt, 4 Minuten, Fahrt 8 Kilometer, weil direkt durch ohne Haltestellenumwege 34 Minuten wegen der Ampelschaltung, Fahrrad vor dem Rathaus abstellen 1 Minute, Gang zum Rathaus 2 Minuten. Gesamt: 41 Minuten. Bei Gehbehinderung allein die Wegeersparnis kaum beschreibbar.

ÖPNV: Hamburg von meinem Stadtteil zur Universität Hamburg: Laufen zur Haltestelle, Bus, U-Bahn, Bus (also zweimal Umsteigen), laufen zur Uni. Gesamt 68 Minuten.

Fahrrad: Fahrrad aus dem Keller und alles aufgepackt, 4 Minuten, Fahrt 9 Kilometer, weil direkt durch, ohne Haltestellenumwege 38 Minuten wegen der Ampelschaltung, Fahrrad vor der Universität abstellen 1 Minute, Gang zur Uni 2 Minuten. Gesamt: 45 Minuten. Bei Gehbehinderung allein die Wegeersparnis, das Rauf- und Runterklettern der Treppen, weil Rolltreppen und Fahrstühle eh immer kaputt sind, kaum beschreibbar.

Und wie sieht es mit den Taxis aus? Unhöflich, Fahrer oft der deutschen Sprache nicht mächtig (wie haben die die mündliche Prüfung bestanden?), Umwege fahrend zwecks erhöhter Taxigebühr, nicht hilfsbereit und vor allem teuer.

Nachts 0.30 Uhr. Hauptbahnhof zu meinem Stadtteil 8 bis 9 Kilometer, 46,- € bei direkter Durchfahrt, ohne vorsätzlichen Umweg. Auf Hauptstraße gehalten, statt vor die Tür gebracht, mich dann mit Rollkoffer hinausgeworfen und sich wegen fehlenden Trinkgeldes beschwert. Ich hatte ihm gesagt, welche Straße er hineinfahren musste, damit er mich direkt vor meiner Tür absetzen konnte – aber er tat, als ob er das nicht verstünde. Gehbehindert darf ich mit Rollkoffer noch rund 400 m laufen.

Ich hatte einige Kisten zu transportieren, benötigte ein Taxi mit einer langen Ladefläche (beispielsweise wie ein Ford Taunus), was kommt, ein Neunsitzer mit einem nicht deutsch sprechenden Fahrer. Das Einladen, was zehn Minuten gedauert hätte, brauchte über eine halbe Stunde. Die Kisten verrutschten während der Fahrt und einiges fiel herunter und zerbrach und er tat so, als verstünde er mich nicht. Das ausladen dauerte entsprechend lange. Bezahlen durfte ich selbstverständlich die ganze Zeit.

Wobei man wissen muss, dass Moia 19 % Mehrwertsteuer zu zahlen hat, während Taxis nur 7 % berappen müssen, wie Lebensmittel und Bücher.

Die Taxifahrerlobby ist zwischenzeitlich so verzweifelt, dass sie ihnen sogar Fahrverstöße wie falsch herum in eine Einbahnstraße, blockierende Halte und vieles mehr unterstellen – was die Polizei in keiner Weise bestätigen kann.

Und nun zur Frage, ob durch Moia mehr Verkehr entsteht. Das ist vermutlich das dümmste Argument. Obwohl das natürlich klar ist. Sobald ein schmuckes chrombraunes Fahrzeug um die Ecke fährt, will natürlich jeder damit fahren.

 

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