Zum Tod von Ralph Giordano

Bürgermeister Olaf Scholz:
„Ralph Giordano war ein streitbarer Geist, der sich zeitlebens in die großen Debatten unserer Gesellschaft eingemischt hat. Mit analytischem Verstand und mit großer Leidenschaft hat er sich immer wieder als mahnende Stimme gemeldet. Wir trauern um einen engagierten Bürger und großen Publizisten, der mit seinem Roman „Die Bertinis“ nicht nur einen bedeutenden Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Nazi-Zeit in Hamburg lieferte, sondern auch seiner Liebe zur Heimatstadt Ausdruck gab.“
Senatskanzlei Hamburg
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Bundesminister Heiko Maas:
Wir trauern um Ralph Giordano. Wir verlieren mit ihm einen großen Intellektuellen, einen beredten Zeitzeugen der Nazi-Verbrechen und einen mutigen Streiter gegen jede Form von Antisemitismus. Mit seinem autobiographischem Roman „Die Bertinis“ hat Giordano Millionen Menschen eindringlich und bewegend vor Augen geführt, was für ein täglicher Horror die nationalsozialistische Diktatur für Juden in Deutschland gewesen ist. Unermüdliche setzte sich Giordano dafür ein, die Verbrechen des Nationalsozialismus aufzuarbeiten statt sie zu beschweigen. Immer wieder erhob er mahnend seine Stimme gegen neuen Antisemitismus und Rechtsextremismus. Den Unwillen der jungen Bundesrepublik, sich der braunen Vergangenheit und den Verbrechen der Nazi-Ära zu stellen, nannte Giordano treffend „die zweite Schuld“. Diese „zweite Schuld“ trat nicht zuletzt die westdeutsche Nachkriegsjustiz. Sie ließ die Nazi-Verbrecher laufen und verweigerte vielen Opfern Gerechtigkeit. Ralph Giordano hat noch miterlebt, wie das Bundesjustizministerium 2012 begonnen hat, seinen eigenen Umgang mit der NS-Vergangenheit in den 1950er und 60er Jahren kritisch aufzuarbeiten – und er hat dieses Projekt nach Kräften unterstützt.Im Juli 2013 stellte er gemeinsam mit meiner Amtsvorgängerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Tagungsband „Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Vergangenheit – Eine Bestandsaufnahme“ vor. Die mutige und kluge Stimme von Ralph Giordano wird uns fehlen. Wir verneigen uns vor einer großen Persönlichkeit.
BMJ Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz
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NDR trauert um Ralph Giordano
Die Nachricht vom Tod des Schriftstellers und Journalisten Ralph Giordano ist im NDR mit großer Trauer aufgenommen worden. Der gebürtige Hamburger starb im Alter von 91 Jahren in der Nacht zum Mittwoch, 10. Dezember, in einem Kölner Krankenhaus.
Lutz Marmor, NDR Intendant und ARD-Vorsitzender: „Ralph Giordano war ein engagierter Streiter für Freiheit und Menschlichkeit. Was neben seinem literarischen und journalistischen Werk bleibt, ist der Bertini-Preis. Er würdigt junge Menschen, die couragiert gegen Unrecht, Ausgrenzung und Gewalt eingetreten sind, so wie es Ralph Giordano Zeit seines Lebens getan hat.“
Die autobiografische Familien-Saga „Die Bertinis“ von 1982 ist Giordanos berühmtestes literarisches Werk, das in seiner Geburtsstadt spielt. Der Roman war der Namensgeber für den „Bertini-Preis„, der seit 1998 alljährlich an junge Menschen verliehen wird, die sich für ein solidarisches Zusammenleben in Hamburg engagieren. Der Norddeutsche Rundfunk zählt zu den Förderern des Preises.
Ralph Giordano wurde als Sohn eines Pianisten und einer Klavierlehrerin jüdischen Glaubens im Hamburger Stadtteil Barmbek geboren. Bis zur Befreiung durch die Briten überlebte er die letzten Monate der NS-Zeit in einem Keller in Hamburg-Alsterdorf, wo er sich gemeinsam mit seinen Eltern und seinen Brüdern vor der Gestapo versteckt hielt. 1961 bis 1964 war Giordano Fernsehredakteur in der damaligen Ost-West-Redaktion des NDR. 1964 wechselte er zum WDR, wo er bis zu seiner Pensionierung 1988 zahlreiche Dokumentarfilme realisierte. Viele von ihnen wurden mit Preisen ausgezeichnet, darunter zwei Grimme-Preise.
NDR Norddeutscher Rundfunk
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Das Pressebüro Hammaburger Texte (PHT) – Hertha-Margarethe Kerz, schließt sich dem Bedauern an. Wer sein Werk gelesen hat, versteht Die Bertinis.

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