Und sie hoppeln immer noch

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Am 16. und 17. November war es wieder so weit. Im  Congress Centrum Bremen feierten sich die Wissenschaftsjournalisten – und die, die es noch werden wollen – zum 12. Mal selbst. Und wie alle Jahre wieder, wurde der Niedergang des Wissenschaftsjournalismus beklagt. Während sich die ewig Selbigen auf der Bühne tummelten, hing das Fußvolk des Wissenschaftsjournalismus im Saal an Ihren Lippen. Wie Herr Korbmann berichtet, offenbar dieselben Argumente, wie jedes Jahr, dieselben Gegenargumente, wie jedes Jahr, dieselbe Zukunftsprognose – auch wie jedes Jahr. Ich gebe zu, diese heilige Veranstaltung mit der Creme de la Creme erspare ich mir schon seit Jahren.

Doch nach dem Programm zu urteilen: offenbar auch dieses Jahr, wie jedes Jahr, kein Wort über schlechten Journalismus, und dass die gesamte Problematik hausgemacht ist – durch Unfähigkeit, schlechte Recherche, schlechte Bildung und dem Umstand, dass sich der geneigte Wissenschaftsjournalist, per se für omnipotent hält – zumindest, was Wissenschaft angeht. Da schreibt der Einzelne über Windkrafträder, nächste Woche über die armen Eisbären, die Woche darauf über Drohnen und einen Monat später über archäologische Funde im Nildelta. Mit schöner Regelmäßigkeit darf dann der gebildete geneigte Leser, die Fehler aus den Artikeln herausfischen und sich über die schlechte Qualität echauffieren.

Aber nicht doch, weit gefehlt, wer da glaubt, ein Journalist nähme sich diese Kritik zu herzen. Och nö, soweit mag er dann doch nicht gehen – stattdessen wird dann lieber die Kommentarfunktion auf der Plattform der jeweiligen Publikation abgestellt. Aber vielleicht, vielleicht werden zumindest die Wissenschaftsjournalisten irgendwann wach und verstehen, dass heute mehr verlangt wird, als nur ein zusammengesetzter Beitrag ohne saubere Recherche.

Wie ich schon vor Zeiten anmerkte: „Es ist ja auch viel einfacher, von einer Podiumsdiskussion zur nächsten zu hoppeln, damit auch ja der eigene Name im Gespräch bleibt, und sein schweres Schicksal zu beklagen, als in sich zu gehen und sich neu zu erfinden.“ Was ich schon für die Tageszeitungen feststellte, gilt für den Wissenschaftsjournalismus umso mehr.

Warum ich mich erdreiste, trotz Abwesenheit darüber zu diskutieren? Seit einem Jahrzehnt diskutieren wir das Thema – ohne daraus zu lernen. Bei manchen Themen braucht man nicht dort zu sein, um zu wissen, was herauskommt.

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