Die Blacklist des Journalisten

Messen sind ein gefundenes Futter für Journalisten. Tummeln sich auf ihnen doch jede Menge Firmen mit ihren Innovationen. Kein Marktplatz ist für Unternehmer besser geeignet, um mit Journalisten Kontakt aufzunehmen. Kein Marktplatz ist für Journalisten besser geeignet, um Firmeninnovationen zu entdecken und darüber zu schreiben – wenn, ja wenn es keine Firmenvertreter gäbe, die, nun ja, sagen wir einmal, eher ineffektiv mit der Presse umgehen.

Heute auf der Messe GetNord. Beschwingten Fußes schwebte ich über die roten, blauen, gelben und grünen Teppiche und hielt Ausschau nach Neu- oder Weiterentwicklungen im Bereich Elektro, Sanitär, Heizung, Klima. Einige tolle Interviews über neue Badarmaturen, Messgeräte, Apps, BHKWs und vieles andere, hatte ich schon in der Tasche, pardon, auf dem Aufnahmegerät (Die Berichte dazu sind schon in Vorbereitung und werden in Kürze auf den Seiten der „Hammaburger Industrie“ veröffentlicht.

Dann kam ich in einen Mobilitätsbereich, in dem ich ein Segway ausprobieren durfte. Super! Toll! Genial! Eine genaue Einweisung, hervorragende Erklärung und super nette Mitarbeiter, ließen die Nutzung zu einem regelrechten Kurzevent mutieren. Immer wieder gern, dann aber richtig und nicht nur einige wenige Minuten :-).

Interessiert machte ich mich anschließend wieder auf den Weg. Da tat sich vor mir ein Stand mit dem Thema „Automatisierungstechnik“ auf. Interessante Sache, wenn es um die Frage des Controllings von Gebäudetechnik geht. Das Gespräch begann auch recht vielversprechend, dann meinte mein Gesprächspartner, sein Kollege könne die Einheit ja viel besser erklären. Also standen wir dort, und standen, dann kam der Kollege. Vorstellung, Erklärung meines Anliegens und er meinte, er hole erst einmal einen Katalog, um die Schlagworte parat zu haben. Als er wiederkam, hatte er seinen Katalog in der Hand und dirigierte mich über den Stand in einen hinteren nicht einsehbaren Bereich. Dann erklärte er mir plötzlich, dass er kein Interview geben wolle, und eigentlich macht das ja sowieso bei ihnen das Marketing, die gäben die Pressemitteilungen heraus und außerdem wollten sie den Artikel noch mal sehen und überprüfen, da sie bestimmten, was in journalistischen Artikeln drin stünde…….

Wohlgemerkt, es ging hier um einen journalistischen Beitrag, nicht um eine Akquise eines beauftragten und dann von der Firma zu bezahlenden Beitrags. Können Sie sich vorstellen, wo der Name dieses Unternehmens jetzt steht? Die meisten Journalisten haben Blacklists. Dort stehen Firmen, mit denen die Zusammenarbeit nicht korrekt verlief. Und die versuchte Einflussnahme auf einen journalistischen Artikel, ist so eine Inkorrektheit.

Dieses Verhalten ist nicht zu verwechseln, mit dem Abgleich von Artikelinhalten. Das heißt, um einen Artikel inhaltlich korrekt wiederzugeben, schicken Journalisten, bei sehr komplexen Themen, den ganzen Artikel oder Teile, an den Interviewgeber, um ihn inhaltlich verifizieren zu lassen. Das aber der Interviewgeber vorschreibt, was in einem Artikel zu stehen hat und wie es dort zu stehen hat, ist ein absolutes nogo und kann im schlimmsten Fall strafrechtliche Folgen nach sich ziehen. Denn hier steht immer die Frage einer eventuellen „Nötigung“ im Raum.

Regelmäßig wird ein Journalist unter solchen Umständen das Thema fallen lassen, keinen Artikel schreiben und Vertreter dieses Unternehmens nie wieder kontaktieren. Das führt dazu, dass die Firma immer seltener in unabhängigen Artikeln vorkommt – und der Leser merkt das sehr wohl. Den Imageschaden, den Unternehmen durch ein solches Verhalten ihrer Mitarbeiter erfahren, können Sie sich vorstellen.

Lassen Sie das und nehmen Sie sich ein Beispiel an großen Firmen. Obwohl die Presse manchmal negativ über sie berichtet, wenn es etwas Negatives zu berichten gibt, laufen diese nicht gleich Amok, denn sie wissen, die positiven Aspekte werden genauso journalistisch transportiert. Ganz im Gegenteil wirkt im allgemeinen ein Unternehmen um so authentischer, wenn es in seiner gesamten Breite seiner Aufstellung am Markt vorgestellt wird. Die Erfolge der Firmen, die mit der Presse groß geworden sind, sprechen für sich.

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