Vergleiche – Voraussetzung zur Meinungsbildung

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Vergleiche machen unsere Meinungsbildung erst möglich. Ist dies besser, oder jenes? Ist das größer als das? Habe ich von diesem einen größeren Vorteil, als von jenem? Täglich vergleichen wir hundertfach um unser Leben ein klein wenig besser zu machen. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung sind Vergleiche nötig und erlaubt – leider nur, solange sie dem Mainstream und der Meinung der Leitmedien entsprechen.

Dabei sind es doch die Vergleiche, die es uns erst ermöglichen, eine Meinung zu bilden. Vielleicht sollten gerade die Deutschen ihre völlig überzogene Aufgeregtheit in Diskussionen, um ja nicht auch nur ansatzweise als schlechter Deutscher dazustehen, entfernen. Tatsächlich scheinen die Deutschen selbst 70 Jahre nach Kriegsende immer noch keine Demokratie zu können. Sie können oder wollen nicht begreifen, dass in einer Demokratie für jede Meinung Platz sein muss. Echte Demokratien halten auch ungewünschte Meinungen aus. Doch in Deutschland hält nicht einmal der einzelne gute Deutsche die Meinung eines anderen aus.

Es waren aber ja auch keine deutschen wie Goethe oder Schiller, sondern ein Franzose, der Demokratie in einen einzigem Satz formulierte: „Mag ich deine Meinung noch so sehr verachten, ich werde mein Leben geben, dass du sie sagen kannst.“ Voltaire.

Selbst Politiker setzen sich dem Zorn der Leitmedien aus, wenn sie es wagen, allerweltsvergleiche anzustellen, wie sie hundertfach im täglichen Journalismus vorgenommen werden – vorausgesetzt, sie sind nicht im richtigen Kontext ausgesprochen. Denn dann ist der Vergleich „ein falsches, ein gefährliches Bild – und das sollte er als langjähriger Minister wissen. Das ist die Sprache der Aufwiegler und Fremdenfeinde.“Zitat aus dem Artikel.

Apropos: Kann es in einer Demokratie eigentlich Leitmedien geben? Also Medien, die dem demokratischen Volk erklären, was die „richtige“ Meinung ist?

Im Zusammenhang mit Vergleichen sagt Prof. Dr. Thomas Fischer in seiner Kolumne auf Zeit online: „Wie sollte man Unterschiede erkennen, wenn man die Gegenstände, an welchen sie haften, nicht vergleicht? Das hat mir noch niemand erklären können. Deshalb lasse ich mir das Vergleichen auch nicht ausreden, und tue es hier und anderswo. Was ich sehe ist: ein Haufen Unterschiede.“ Dennoch gibt auch er zu bedenken, dass Vergleichen nicht immer einfach ist und häufig völliger Quatsch.

Den gesamten Text der wirklich lesenswerden Kolumne finden Sie hier: Soll man mit dem Strafrecht Politik machen?

Prof. Fischer ist Bundesrichter in Karlsruhe und schreibt für ZEIT und ZEIT ONLINE über Rechtsfragen.

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