Artikelentstehung – Infos – und zwar sofort

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Vorgestern erzählte ich ja von meinem interessanten Erlebnis mit der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung einer Hochschule. Daraufhin hat sich ein Mitglied ein Herz und auf seine Tastatur gefasst, mir eine Mail geschrieben und gefragt, wie es denn richtig hätte gehen müssen. Dass diese Vorgehensweise der Öffentlichkeitsabteilung nicht korrekt war, sei klar, aber was genau brauchen Journalisten denn nun?

Die Kurzantwort ist: alles sofort!

Die Langantwort möchte ich umformulieren, indem ich einfach einmal einen meiner Tage beschreibe. Ich bin freiberufliche Industriejournalistin.

Meist stehe ich um 4.00 Uhr auf, Bad und Kaffee. Jetzt im Sommer lasse ich mich mit Büchern, Zeitschriften, Karteikarten, Schreibzeug und vor allem dem Kaffee, oft auf dem Balkon nieder – im Winter alternativ im Zimmer. Dann arbeite ich die Bücher und / oder Zeitschriften durch und übertrage wichtige Dinge auf die Karteikarten, markiere mit Post it etc. Gegen 7.30 Uhr ziehe ich um ins Büro, mache den Computer an und den nächsten Kaffee.

Alternativ, bei großen Themen, arbeite ich gleich von morgens am Computer.

Oft habe ich gegen 8.00 Uhr schon den ersten Termin für das erste telefonische Interview. Diese dauern rund 45 Minuten, denn so früh werden Chefs und Wissenschaftler in der Regel nicht gestört, sodass sie Zeit haben, ohne Druck zu reden. Alternativ verlegen das einige auf spät abends.

Kurz vor 9.00 Uhr werden die stenografischen Informationen dann kurz sortiert, markiert etc. Ab 9.00 Uhr geht dann das Telefon – nicht ununterbrochen, aber immer mal wieder. Ich habe zwei Internetpublikationen für die immer wieder Anfragen kommen, ob ich in ihnen das eine oder andere Thema veröffentlichen würde. Parallel dazu arbeite ich an meinem aktuellen Artikel und – weil einem während des Schreibens sehr viel zu anderen Themen etc. einfällt, mache ich mir Notizen auf der Schreibtischunterlage (DIN A1). Gleichzeitig läuft ein „Programm“ im Kopf ab, welches dauernd nach neuen Themen sucht.

9.45 Uhr überprüfe ich das erste Mal meine Mails. Einiges muss sofort erledigt werden – per Mail oder Telefon. Mails überprüfe ich, wenn ich keine Termine habe, in aller Regel alle 1,5 Stunden. Irgendwann morgens geht es ansonsten oft zum Pressetermin – per Fahrrad. (Presse)Termine können allerdings auch mal nachmittags liegen oder im schlimmsten Fall abends. Einige Termine sind auch ganztägig, mehrtägig oder es handelt sich um Messen.

Als für die „Windenergiemesse“ in Hamburg ein Windenergieanlagenflügel zum Fernsehturm gebracht wurde, standen wir von abends um 19.00 Uhr bis morgens um 7.00 Uhr dort und beobachteten und führten unsere Interviews. Das Equipment dafür liegt immer griffbereit – Aufnahmegerät, Kamera, Mikrofon, Schreibzeug etc.

Dann läuft der Termin, den ich aufnehme, Notizen mache. Ist er vorbei, lasse ich erst die Kollegen von Radio und Fernsehen vor und stelle dann meine Fragen an die Pressevertreter. Meist habe ich es mit Wissenschaftlern oder qualifizierten Pressesprechern von Unternehmen zu tun.

Da ich in Hamburg wohne und arbeite, habe ich das unverschämte Glück, das es hier von Bibliotheken und wissenschaftlichen Einrichtungen nur so wimmelt. Meine Termine kopple ich also immer mit einem Besuch einer Einrichtung in der Nähe. Dann geht es zurück.

Wenn alles gut läuft, bin ich gegen 13.00 / 14.00 Uhr wieder im Büro. Meist habe ich unterwegs noch was eingekauft, da es um mein Büro herum jede Menge Möglichkeiten gibt und ich immer an einem Supermarkt vorbei komme.

Im Büro mache ich mir erst mal einen Kaffee, Anrufe werden erwidert, Mails werden überprüft und dann schlafe ich eine Stunde, oder so. Anschließend kommen wieder die Mails dran. Wiederholung: Parallel dazu arbeite ich an meinem aktuellen Artikel und mache mir Notizen und suche neue Themen. Beim Schreiben habe ich immer in einem Tab Xing auf, weil mir das Fraternisieren enorm beim Denken hilft.

Gegen 16.00 Uhr ist offiziell Schluss und Mittag – bis 20.00 Uhr kommen aber noch Mails rein. Bis 0.00 Uhr schlafe ich abwechselnd und „mach was“ am Computer. Gegen 0.00 Uhr gehe ich dann ins Bett.

Das passiert nun nicht jeden Tag alles – das wäre ja zeitlich gar nicht möglich. Aber ich wollte einen Eindruck vermitteln, wie die Arbeit von Journalisten ungefähr abläuft. Und jetzt ist vermutlich auch verständlich, warum ich nicht ewig auf Antworten per Mail warten kann. Wenn ich an einem Artikel sitze und an einem bestimmten Punkt bin, dann brauche ich die Infos sofort, sonst komme ich nicht weiter. Denn Artikel sind terminlich gebunden. Es gibt sogenannte Redaktionsschlüsse. Ab diesem Punkt ist es nicht mehr möglich, für eine bestimmte Ausgabe noch einen Text in das Redaktionssystem einzuspeisen. Ganz schlimm ist es bei den Kollegen der Zeitungen. Dort sind die Schlüsse beispielsweise nachts um 23.00 Uhr oder 0.00 Uhr oder gar 2.00 Uhr. Und so lange müssen die Kollegen in der Redaktion sein – falls aktuell gerade die Welt untergeht, muss in Windeseile neuer Text geschrieben und anderer Text rausgeworfen werden.

Aber bei Monatszeitschriften ist das auch nicht anders. Wenn am 20. Redaktionsschluss ist und der Redakteur um 16.00 Uhr nach Hause geht, kann ich nicht um 14.00 Uhr mit meinem Artikel kommen. Denn der muss gelesen werden, bei einigen Publikationen wird er von einem wissenschaftlichen Rat überprüft, es müssen Bilder rein, Passagen müssen ausgewechselt, umgeschrieben oder gekürzt werden. So ein Artikel entsteht nicht, indem ich da sitze und ein paar Sätze in den Computer bringe.

Gute Nacht!

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