Interview mit dem Jugendbuchautor Jonathan Philippi

Mary island Band 2Mary Island Band 2: Das Geheimnis des goldenen Medaillons Philippi, Jonathan Broschiert: 340 Seiten Verlag: Verlagshaus El Gato;
Auflage: 1 (5. Januar 2014)
Sprache: Deutsch,
ISBN-10: 3943596443,
ISBN-13: 978-3943596441,:
Empfehlung des Autors: 7 – 14 Jahre,
EUR 13,90

Zukunft Buch II. Teil
Interview mit dem Jugendbuchautor
Jonathan Philippi

Martin2Wie im letzten Beitrag zur Entwicklung der Medien vorgestellt, schreibt Jonathan Philippi die Jugendbuchreihe: Mary Island. Wir begleiten ihn während des Publizierens, um zu erfahren, was heute notwendig ist, um ein Buch zu veröffentlichen, damit es nicht in den Weiten der unüberschaubaren Medienlandschaft verloren geht. Im zweiten Teil unserer Vorstellung, sprechen wir mit Herrn Philippi darüber, wie er als Jugendbuchautor den Büchermarkt und das Spannungsfeld zwischen Autor und Medienwelt wahrnimmt.

IJ: Herr Philippi, Sie haben ein Jugendbuch geschrieben, „Mary Island“, welches gleich als Serie zu sieben Bänden erscheinen soll. Der erste Band: „Das Geheimnis des dritten Hügels“, erschien vor einem viertel Jahr. Der zweite Band liegt jetzt mit: „Mary Island – Das Geheimnis des goldenen Medaillons“ vor. Wie gefragt sind Bücher in Zeiten des Internets?

Philippi: Sie sind unersetzlich. Ich glaube fest daran, dass sich ein gedrucktes Buch gegen ein e-Book, noch lange durchsetzen wird. Auch in der Hamma Industrie, wird ausführlich über Fachbücher berichtet. Dazu trägt der stationäre Buchhandel bei. Dort zu stöbern, Bücher anzufassen, aufzublättern, Bilder oder Texte zu lesen – Bücher kann man verschenken, ausleihen, immer wieder lesen.

IJ: Wer sind Ihre Leser? Sind das alles Jugendliche, oder wie bei Harry Potter vielleicht auch Erwachsene?

Philippi: Das ist eine spannende Frage. Für mich als Autor gibt es zwei Zielgruppen: Die eine, die liest und die andere, die kauft. Ich weiß nicht, ob Jugendliche sich einen Abenteuerroman kaufen. Ich denke eher, dass das Onkel, Tanten, Freunde oder Eltern tun, und das Buch dann verschenken.
Wichtig ist also, dass stets beide Zielgruppen im Auge behalten werden, wenn man sich mit Jugendbüchern beschäftigt. Das ist nicht immer leicht. Das Thema meiner Serie ist: Ich will raus aus Deutschland, ins Paradies. Doch das wollen ganz viele. Und dann lesen sie, dass es nicht so einfach ist, denn Deutschland und sein Trott, seine Menschen und die Gesellschaft sind einfach überall.

IJ: Was bedeuten Bücher für Sie?

Philippi: Ich finde, Bücher sollen uns dazu verleiten, die Welt um uns zu vergessen. Die Zeit soll verfliegen. Da ich viel mit dem Flugzeug unterwegs bin, kann ich getrost sagen, dass die Zeit nicht wie im Fluge

vergeht. Das Sprichwort müsste heißen: Die Zeit verfliegt wie beim Lesen, denn dann kann man alles vergessen. Mein Ziel ist erreicht, wenn der Leser die letzte Seite umblättert und sagt: „Schade, schon aus!“ Dann habe ich meinen Job gut gemacht. Ein Buch muss unterhalten, es muss entführen in eine fremde Welt, die uns allen oft vertraut ist. Spannung ist relativ. Tiefgang der Charaktere ist wichtig. Alles hat seine Berechtigung, solange man die Welt um sich vergessen kann. Da spielt das Alter keine Rolle mehr. Wenn wir lesen, sind wir alle gleich.

IJ: Welche Kinder nehmen noch Bücher in die Hand?

Philippi: Im Zeitalter von Facebook und Co erstaunlich viele. Gehen Sie an einem Samstag in eine öffentliche Bücherei. Sie werden überrascht sein, über das Durchschnittsalter. Jugendliche lesen wieder, Erwachsene lesen wieder. Ich denke, das ist ein Verdienst von Mrs. Joan K. Rowling und Frau Cornelia Funke. Sie haben eine ganze Generation neu an die Literatur herangeführt und diese, mittlerweile 30jährigen, lesen immer weiter. Ich habe meinen Kindern stets Geschichten vorgelesen, bis sie selbst Bücher in die Hand genommen haben. Menschen, die viel lesen, haben den Wunsch nach Abwechslung, und den müssen wir Autoren bedienen.

IJ: Vor kurzem hatten Sie in Riegelsberg, bei Saarbrücken, eine Lesung. Hier blieb es nicht bei einer Vorlesestunde, sondern entwickelte sich zu einem Event. Ist das nicht sehr viel Aufwand für ein Kinderbuch?

Philippi: Aber ja, es sollte auch mir Spaß machen. Ich musiziere gerne, spiele auch ab und zu in der Öffentlichkeit und ich möchte unterhalten. Aus einem Buch zu lesen, nun ich denke, da kann man auch selber in die Seiten greifen.

IJ: Sie haben mit Ihrem zweiten Band ein umfangreiches Beiprogramm. Heißt das, Verlage müssen den Lesern heute mehr bieten, als einige Seiten Papier in einer Pappumhüllung?

Philippi: Nun, das haben wir schon beim ersten Band realisiert. Auch hier war ich der Meinung, dass ein Copy and Paste vom Papier auf den e-Book Reader einfach langweilig ist. Ich habe umfangreiches Recherchematerial, zahlreiche Kürzungen, Skizzen, Ideen, Zeichnungen und Infos gesammelt. Warum sollen die in der Schublade bleiben? Zum Beispiel hatte ich im Manuskript den e-Mail Verkehr zwischen der deutschen Freundin Jasmin und meiner Protagonistin Julie dabei. Der ist jetzt im Anhang des e-Books.
Apps und Spiele müssen neu überdacht werden. Dazu braucht es auch bezahlbare Plattformen, die auf allen Geräten laufen. Das kostet Geld und ein kleiner Verlag ist hier schnell überfordert. Ein großer wird aber vielleicht über das Ziel hinausschießen und ein Filmbuch auf dem I-Pad anbieten, was wiederum zu viel ist.
Jonathan Philippi

Fazit: Das erweiterte e-Book kommt recht gut an, das gibt mir und dem Verlagshaus die Kraft, weiterzumachen.

IJ: Warum ist das alles nicht auch zum ersten Band bereitgestellt worden?

Philippi: Die Apps waren in der Entwicklung zu teuer. Verlegen ist ein knallhartes Geschäft, das auf der einen Seite mit Herzblut, auf der andern mit dem spitzen Bleistift betrachtet werden muss. Apps müssen auf mehreren Plattformen laufen. Wir testen das gerade. Ob es einen Mehrwert bringt, muss sich noch entscheiden. Die Verlinkung aber ist schon drin.

IJ: Sie würden also sagen, es lohnt sich immer noch, Bücher zu schreiben?

Philippi: Was heißt lohnen? Finanziell? Nein! Wenn ich an einem Buch einen Euro verdiene, zehn Bücher selbst kaufe und verschenke, dann muss ich hundert Bücher verkaufen, um das heraus zu bekommen.
Daneben habe ich auch Kosten: Denken Sie an Softwareupdates von Textprogrammen, Papier für den Laserdrucker, den Drucker selbst, Toner, Zeit, Porto, Webseiten, Facebook, Leserunden. Nein, das lohnt sich nur, wenn man es mit Freude macht. Reich wird keiner.
Kommen wir zum Immateriellen: Da ich viel unterwegs bin, schreibe ich abends im Hotelzimmer lieber, als dass ich das Fernsehen anstelle. Das ist eine Entspannung der besonderen Art. Der Druck beim Lektorieren, die engen Zeitpläne, all das gehört aber auch dazu. Und auch das macht Spaß. Wenn es dann noch anderen gefällt, umso besser. Die Veröffentlichung, die Arbeit und die Erfahrung, die ich dabei machen durfte, möchte ich nicht missen.

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