Rolle der Medien für die Interpretation von Privatheit

.

.

BMBF fördert Projekt mit rund 360.000 Euro

Die Snowdenenthüllungen, aktuelle Gefahren für persönliche Daten oder die Entwicklungen in der Informationstechnologie: „Die Medien sind die zentrale Quelle für Bürger, um die zunehmende Gefährdung und Schutzbedürftigkeit persönlicher Lebensdaten einzuordnen und persönliche Schlüsse daraus zu ziehen“, sagt Prof. Dr. Sabine Trepte, Medienpsychologin an der Universität Hohenheim und Leiterin des Forschungsprojektes „Perspektiven und Trends der Privatheit“. Die Kommunikationswissenschaftlerin und ihr Team untersuchen darin, welchen Beitrag die Medien leisten, um die Bedrohungssituation des Einzelnen zu verdeutlichen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit rund 360.000 Euro. Damit zählt es zu einem der Schwergewichte der Forschung an der Universität Hohenheim.

Das rechtliche und technische Verständnis von Privatheit wird immer komplexer. „Um zu einer umfassenden persönlichen Einschätzung dieser Komplexität zu kommen, sind die Menschen immer stärker auf die Medien angewiesen“, sagt Prof. Dr. Trepte. Die Berichterstattung der Medien befähige die Bürger dazu, über ihre persönlichen Daten nachzudenken.

Entsprechend zeigen erste Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Perspektiven und Trends der Privatheit“, dass Privatheit in den Medien kein Nischenthema ist, sondern in den zentralen Ressorts diskutiert wird: Im Zeitraum vom 1. Mai 2014 bis 28. Februar 2015 fanden sich 30 Prozent der Beiträge zum Thema Privatheit in den analysierten Print- und Onlinemedien im Ressort „Politik / Nachrichten“, 15 Prozent im Ressort „Wirtschaft / Finanzen“ und 14 Prozent im Ressort „Kultur / Feuilleton“.

Hackerangriff auf private Prominentenfotos häufig aufgegriffen

Die Aktualität und Vielseitigkeit des Themas zeigt sich in der kontinuierlichen Berichterstattung: So hat es im untersuchten Zeitraum von insgesamt 304 Tagen lediglich 17 Tage gegeben, an denen in den ausgewählten Medien überhaupt kein Beitrag dazu erschien.

Ebenso hat die Untersuchung ergeben, dass bestimmte Ereignisse einen breiten Niederschlag in den Medien fanden. Dazu zählt im Untersuchungszeitraum insbesondere das Urteil des Europäischen Gerichtshof zum „Recht auf Vergessen“, das Google dazu verpflichtete, bestimmte Einträge auf Antrag aus seinem Register zu löschen. Ebenso fanden die Snowdenenthüllungen auch an ihrem ersten Jahrestag noch starken Widerhall in den Medien. Ein weiteres, besonders negatives Ergebnis mit großer Medienresonanz war die Veröffentlichung des Hackerangriffs auf private Fotos von Prominenten im September 2014.

Entwickler von IT werden als Verantwortliche gesehen

Die Medien sehen die Entwickler von IT und die dahinter stehenden Unternehmen als die Hauptverantwortlichen für den derzeitigen Zustand von Privatheit. Staatliche Akteure aus der Exekutive und Legislative werden dagegen erst mit deutlichem Abstand an dritter Stelle genannt.

Damit die Situation sich bessert, nehmen laut der Untersuchung die Medien vorallem die Gerichte in die Pflicht. Aus der Berichterstattung klingt ein Ruf nach staatlicher und besonders gerichtlicher Kontrolle.

Hintergrund: Forschungsprojekt „Perspektiven und Trends der Privatheit“

Das Projekt „Perspektiven und Trends der Privatheit“ läuft seit Dezember 2013 und ist auf drei Jahre angelegt. Es analysiert gesellschaftliche Zukunftsperspektiven von Privatheit und Selbstbestimmung in Deutschland auf der Grundlage empirischer Forschung. Dazu wird zunächst die deutsche Medienberichterstattung im Hinblick auf gesellschaftliche Trends und Diskurse zu Themen der Privatheit inhaltsanalytisch ausgewertet.

Zu den ausgewerteten Medien zählen die Print- und Onlineberichterstattung dreier überregionaler Qualitätszeitungen (Süddeutsche Zeitung, FAZ, Die WELT) sowie die auflagenstärkste überregionale Boulevardzeitungen (BILD) sowie Wochenzeitung (DIE ZEIT) und das auflagenstärkste Nachrichtenmagazin (Der SPIEGEL). Ebenso werden öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender und verschiedene Onlinenachrichtenangebote analysiert.

Ergänzend hierzu gibt es Labor- und Feldexperimente zum individuellen Umgang mit Privatheit. Die Ergebnisse beider Projektpakete werden in einem psychologischen Modell der individuellen Privatheit zusammengefasst. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit 361.600 Euro. Damit zählt es zu einem der Schwergewichte der Forschung an der Universität Hohenheim.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

Rund 30 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2014 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.

A. Schmid / F. Klebs

Uni Hohenheim

.

.

.

.

.

.

.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert