Drum prüfe, wer sich ewig bindet

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Verlockend, sich die Pressearbeit von PR-Firmen durchführen zu lassen. Sie informieren sich intensiv über Ihre Produkte und oder über Ihre Dienstleistung, schreiben dann für Sie die Pressemitteilungen – und verschicken sie auch oft noch.

Dumm nur, wenn diese Firmen so gar keine Ahnung davon haben, wie man am Markt auftritt und Journalisten gegenübertritt – dann wird das nix mit der Veröffentlichung.

Ein aktuelles Beispiel aus der Praxis: Seit wenigen Wochen werde ich von einer (vermeintlichen) PR-Agentur mit Mails geradezu bombardiert. Alle zwei bis drei Tage erhalte ich ein bis zwei Mail im Namen von zwei Firmen. Jede Menge Links, jede Menge PDF Anhänge. Absender ein Personenname, der schreiend (in Großbuchstaben) hinausposaunt wird, selbstverständlich mit „persönlichem Link“ für mich auf ihre Website.

In 14-Punkt-Schrift springen mir innerhalb der Mail die Informationen über diese Firmen entgegen (nein, ich soll nichts kaufen), aber „wenn Sie noch Fragen haben“ nehmen Sie mit mir Kontakt auf – mit einem rudimentären Absender.

Weder kenne ich diese PR-Firma, noch hat sie eine vernünftige Signatur, noch kenne ich die Firmen, für die sie wirbt. Ihre Website (über Suchmaschine, ich bin ja nicht blöd und klicke einen Link an) ist durchgehend in Englisch und der Server steht irgendwo im Ausland. Aber es ist „ein Team von erfahrenen Ingenieuren“ (nur leider wohl nicht in Pressearbeit). Und eine ellenlange Liste, für welche Firmen sie schon Pressearbeit gemacht hätten. Jetzt sitzen sie bei mir auf Spam.

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Sie möchten eine Firma (Pressebüro, PR-Firma oder Werbeagentur) beauftragen, Ihre Pressearbeit zu übernehmen?

Dann schauen Sie sich genau an, wie diese arbeitet.

1. Es ist nicht wichtig, für wie viele und welche Firmen die schon gearbeitet haben. Wenn ich Ihnen die Ohren absabbel, kriege ich von Ihnen einen Auftrag. Und wenn ich es nicht kann, sind Sie wieder weg, aber ich schreibe, dass ich für Sie gearbeitet habe. Ergo: Fragen Sie danach, in welchen Publikationen Sie Presseveröffentlichungen finden können, die diese Firma für ihre Kunden erstellt hat.

2. Wenn Sie eine Firmenmail verschicken, haben Sie eine ellenlange Signatur, mit Absender, Kontaktdaten, Website, Finanzamt, ID-Nummer, Handelsregister (Perückengröße und Schuhfarbe). Fatal (und auch gesetzlich relevant), wenn Sie es nicht hätten. Jede Firma muss diesen Rattenschwanz auf dem Briefpapier und somit auch in seiner Mail haben. Wenn das die von Ihnen in die engere Wahl gezogene Firma nicht hat, Finger weg! Nicht vorhandene eindeutige Signaturen sind ein Zeichen für Spam – und so kann es sein, dass der geneigte Journalist, solche Mails als Fake wahrnimmt (ich tue das).

3. Presseverteiler sind was Schönes – aber nur, wenn sie gezielt eingesetzt werden. Viele Agenturen werben damit, dass in ihrem Presseverteiler 20, 30 oder gar 40.000 Adressen wären. Schön für Menschen, die gerne sammeln. Aber auch schön für Sie? Haben Sie ein Produkt, welches tatsächlich 6 – 7.000 Branchen anspricht? (Vielleicht Schokolade – die mögen 90 Prozent der Bürger). Wenn Sie jedoch Drehgeber, Sicherheitsventile, Kabel oder Sondermaschinen herstellen, dann nützen Ihnen 40.000 Adressen rein gar nichts. Lassen Sie sich nicht blenden, sondern bestätigen, dass die Agentur Adressen speziell auf Ihr Angebot zugeschnitten, in ihrer Datenbank hat.

4. Mailschleuder. Agenturen machen für Sie die Pressearbeit – und dann verschicken sie sie an alle relevanten Fachzeitschriften / Redaktionen / Journalisten. Ops! Bei so einer Agentur macht das wohl die Menge?! Tja, dann bekommt man alle zwei Tage drei Mails :-(. Irgendwas wird schon irgendwo hängen bleiben?! Für Ihr Unternehmen ist das nicht gerade ein Aushängeschild. Geht Journalist auf der Messe an Ihrem Stand vorbei – geht er vorbei („Die schon wieder. Bloss nicht an den Stand gehen, sonst kriege ich noch mehr Mails von denen“)
Sinnvoll ist nur eine gezielte Ansprache von Zeitschriften / Redaktionen / Redakteuren / Journalisten. Die Pressemitteilungsinhalte müssen zu dem Medium passen, sonst ist das nichts anderes als Spam. Ergo: Fragen Sie, wie die Agentur arbeitet. Stimmt sie Ihre Informationen mit der Mediaplanung der Redaktion ab? Oder verschickt sie beispielsweise Infos über Scharniere von Schutztoren gegen Hochwasser, wenn es im anvisierten Heft um Sicherung von Fabrikgebäuden bei Wirbelstürmen geht?

Tatsächlich favorisiert das PHT sogar eine andere Vorgehensweise: Die Agentur macht alles – bis auf das Verschicken der Informationen. Das wird durch die Firma – nämlich durch Sie selbst, expressive durch Ihre Presseabteilung – durchgeführt. Die Redaktion bekommt somit von Ihnen als Firma die entsprechenden Informationen – und nicht durch eine ihr unbekannte Werbeagentur. Alle großen Firmen machen das so. Ja, diese haben auch große Presseabteilungen. Aber genau diese Arbeit übernehmen für Sie, als nicht so große Firma, externe Dienstleister. Der enorme Vorteil für Sie: Ihr Firmenname steht als weitere Werbemaßnahme im Absender der Mail und in deren Signatur. So sieht die Redaktion schon beim Eingang der Mail, dass diese von Ihnen kommt.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

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